B 27 Ausbau überdacht – Argumente greifen!

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Im Dezember 2020 habe ich das Verkehrsministerium Baden-Württemberg angeschrieben und angeregt, die Ausbaupläne für die B 27 an den aktuellen Klimaschutzzielen neu auszurichten. Gespräche folgten. Jetzt hat das Ministerium schriftlich geantwortet.

B 27 Ausbau überdacht – Argumente greifen!

Erstmals 2018 habe ich mich zum B 27 Ausbau zu Wort gemeldet. Ein zweites Mal nach der Informationsveranstaltung des Regierungspräsidiums Stuttgart (RP) vom 25. November 2020. Gegenüber dem Verkehrsministerium Baden-Württemberg und dem planenden RP habe ich Gesprächsbedarf zum geplanten sechsspurigen Ausbau der B 27 angemeldet.

Aktuelle Verkehrsstudien, das Thema „Nachhaltigkeit“ sowie die Perspektive für Filderstadt und die hier lebenden Menschen gaben den Anlass.

Straßenverkehr

Die B 27 – von der Brücke beim Zeppelinstein aus in südliche Richtung fotografiert.

Der Gedanke fiel mir zunehmend schwer, dass heute eine Straße geplant wird, die 2030 fertig sein soll, während gleichzeitig das politische Ziel der Verkehrswende verfolgt wird, den Individualverkehr im gleichen Zeitraum um 50 Prozent zu reduzieren. Dieser Widerspruch muss aufgelöst werden. Die Lösung kann doch nicht

in einem weiteren Bau von Straßen liegen. Hier müssen intelligentere Verkehrsleitideen her.

Die Ausgangslage

Vor rund acht Jahren wurde die B 27 mit ihrem Ausbau zwischen Aichtal und Leinfelden-Echterdingen/Nord im Bedarfsplan des Bundes in den „Vordringlichen Bedarf“ eingestuft.

Meine Motivation

Unter aktuellen Gesichtsunkten war und ist es mein Ziel, die Ausbaupläne an den aktuellen Klimaschutzzielen nochmals zu orientieren. Der Bundesverkehrswegeplan steht den übergeordneten Zielen von Reduzierung des Treibhausgasausstoßes, weniger Emissionen im Verkehr und einem Umbau der Mobilität noch unausgewogen gegenüber.

So sprechen Verkehrsexperten inzwischen davon, dass mit dem sechsspurigen Ausbau der B 27 ein weiterer Ausbau des Schienenverkehrs auf den Fildern schwer fallen dürfte. Der Ausbau schlägt, da er die Reisezeit im motorisierten Individualverkehr verbessert, auf den Kosten-Nutzen-Faktor, den ein Schienenprojekt erfüllen muss, durch. Diese Wechselwirkung ist seinerzeit zu wenig bekannt gemacht worden.

Um eine Verkehrswende zu realisieren, ist die Realisierung weiterer Angebote im schienengebundenen Nahverkehr wichtig. Auch wurden sich verändernde Arbeitswelten nicht berücksichtigt, die nun auch durch die Corona-Pandemie sichtbarer wurden und in greifbare Nähe gerückt sind. Zudem wurde bei der Bewertung der Maßnahme im Bundesverkehrswegeplan die CO2-Belastung nicht monetarisiert, die Umweltauswirkung insgesamt nicht, der Reisezeitgewinn der Pendler dagegen wohl.

6 Streifen = 6 Spuren?

In der Informationsveranstaltung 2020 wurde eine im Ergebnis 8-streifige Straße vorgestellt, wenn die diskutierte Seitenstreifenfreigabe umgesetzt würde. Die so aber nur drei Stunden am Tag beansprucht wird. Pendler gewinnen in dieser Zeitspanne rund zwölf Minuten. Das ist völlig konträr zu einer nachhaltigen Stadt, einer sinnvollen Beziehung dieser autobahnähnlichen Straße zu unserer Stadtentwicklung sowie zur Förderung des ÖPNV und kann für Filderstadt nicht uneingeschränkt zielführend sein.

Zudem zeigen aktuelle Verkehrsstudien, dass eine erweiterte B 27 auch die A 8 entlasten würde. Hier stellt sich die Frage, ob Filderstadt hierfür die Lasten tragen soll.

Wie machen ́s andere moderne Städte?

Andere Städte, wie beispielsweise das niederländische Rotterdam, haben andere Lösungen gefunden: Dort gibt es Großparkplätze um die Stadt herum, damit Pendler auf andere Verkehrsmittel umsteigen können. Große Fahrradabstellanlagen an Bahn-höfen fördern den Zugang zur Schiene. Auch die Stadt Bonn stellt Überlegungen in diese Richtung an.

Die Antwort des Verkehrsministeriums

„Da die B 27 im Bereich dieser Bedarfsplanmaßnahme im nördlichen Abschnitt eine höhere Verkehrsbelastung aufweist als im südlichen Abschnitt erscheint es aus Sicht des Landes zielführend, den 6-spurigen Ausbau im südlichen Teil des Projektes vorerst zurückzustellen. Eine solche Vorgehensweise entspricht jedoch nicht der derzeitigen Ausweisung des Projektes im Bedarfsplan als Gesamtmaßnahme. Daher wurde die Frage einer Teilung der Gesamtmaßnahme vom Ministerium an das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) herangetragen. Zwischenzeitlich wurde mit dem BDMV im Rahmen einer Besprechung eine grundsätzliche Einigung dahingehend erzielt, dass eine Teilung des Projektes in 2 Abschnitte in der Form, dass der 6-spurige Ausbau der B 27 im südlichen Teil des Projektes zurückgestellt wird, wogegen der nördliche Teil der B 27 von der AS Leinfelden-Echterdingen Süd bis zum Echterdinger Ei 6-spurig ausgebaut werden soll, als zweckdienlich erachtet wird. Das weitere Vorgehen hierzu ist mit dem BMDV im weiteren Planungsverlauf noch im Detail abzustimmen.

Vor dem Hintergrund, dass der im Bedarfsplan ausgewiesene 6-spurige Ausbau des südlichen Bereichs der B 27 dadurch zurückgestellt würde, ist dann jedoch die Frage des Baus eines Verflechtungsstreifens im Bereich der Einmündung der B 312 (AS Aichtal) in Fahrtrichtung Stuttgart bis zur AS Filderstadt-Ost zur Verbesserung des dortigen Verkehrsablaufs nochmals zu prüfen.“

Wie geht ́s weiter?

Das Regierungspräsidium ist seitens des Verkehrsministeriums mit der nochmaligen Prüfung beauftragt. Denn das Land ist mit der Planung dieser Bundesstraße beauftragt.

Wir werden die Antwort des Verkehrsministeriums in den Gemeinderat einbringen. Dies ist erforderlich und geboten, denn aktuelle Beschlusslage des Gemeinderates ist die uneingeschränkte Aufnahme in den Bundesverkehrswegeplan.

Ich begrüße die Aufteilung in zwei Bauabschnitte. Mehr an Optionen konnte bei der aktuellen Rechtslage nicht erreicht werden.

CT, 16. März 2023